„Gib mir Halt, damit ich wachsen kann!“

Im Jahre 1981 übernahm die Stuttgarter Psychologin Jirina Prekop die Haltetherapie aus Amerika und verbreitete sie in Deutschland unter dem Namen Festhaltetherapie. In Zusammenarbeit mit vielen Fachtherapeutinnen und Fachtherapeuten wurde die Festhaltetherapie weiterentwickelt. Heute nennt man sie wieder Haltetherapie.

Die Haltetherapie ist eine ganzheitlich emotional-körperorientierte Beziehungstherapie zwischen Eltern und Kind, bzw. Stief-, Adoptiv- oder Pflegeeltern und dem anvertrauten Kind.

Wann sind Halteprozesse angezeigt?
Ihr Kind
   ist aggressiv gegen sich, andere Menschen und Gegenstände
   verweigert und trotzt übermäßig viel oder stark
   akzeptiert kaum oder keine Einschränkungen und Grenzen
   fordert dauerhafte Aufmerksamkeit
   zeigt tyrannisches Verhalten
   hat traumatische Erfahrungen oder längere Krankenhausaufenthalte hinnehmen müssen
   ist angenommen oder adoptiert worden

Was geschieht für das Kind beim Halten?
Ihr Kind ist unglücklich, verstört, nörgelig, wütend oder befindet sich in einem emotionalen Chaos. Statt es einzusperren, wegzuschicken, auf Distanz auszuschimpfen, zu schlagen oder mit Liebesentzug zu bestrafen, wird das Kind in seiner Not von Ihnen wahrgenommen.
In unterschiedlichen Haltepositionen bis hin zur engen, liebevollen Umarmung, hat Ihr Kind die Möglichkeit all seine Gefühle auszudrücken, körperlich wie stimmlich.
Ihr Kind macht die wichtige Erfahrung, dass es durch sein Gefühlschaos von Ihnen begleitet wird, dass Sie sich durch die unterschiedlichen Reaktionen wie Wut, Angst, Trauer, Schmerz nicht abschrecken lassen.
Bei Ihnen, an Ihrem Körper und Ihrer beharrlichen, tröstenden Nähe, findet Ihr Kind Geborgenheit, Trost, Entspannung und Zufriedenheit.

Was geschieht für das Elternteil beim Halten?
Oft fühlen Sie sich von Ihrem Kind und seinen Verhaltensweisen überfordert, genervt und angestrengt. Sie empfinden großen Zorn, Hilflosigkeit und Ohnmacht angesichts der sich wiederholenden Situationen. In der liebevollen Aufmerksamkeit und im beharrlichen Standhalten, durch die körperliche Nähe bis hin zur dichten Umarmung, in der Sie Ihrem Kind Halt geben, können Sie Ihren Ärger verbal ausdrücken und danach Ihre eigene Kraft, Ihre Stärke und Ihre Sicherheit wiederfinden.

Was bewirken die Halteprozesse?
Die Bindung als Fundament der Beziehung wird intensiver, der Kontakt zwischen Eltern und Kind wird zärtlicher und gefühlvoller.
Die Eltern erleben sich als kompetent, zuverlässig, richtungsweisend und haltgebend.
Das Kind wird aufgeschlossener, lenkbarer, lernbereiter, schmusiger u. a.
Seine Wutanfälle, unkooperativen Verhaltensweisen, Verweigerungen u.a. werden geringer.

Wie sieht die Begleitung und Anleitung beim Halten aus?
Eltern haben anfänglich viele Fragen. Sie plagen sich mit Zweifeln.
Darf ich mich meinem Kind aufdrängen? Ist das nicht Gewaltanwendung?
Im Gespräch können alle Fragen und Zweifel besprochen werden. Gemeinsam werden wir herausfinden, ob und wie das Halten in Ihrer persönlichen Situation das Richtige ist. Ich werde Sie bei so viel Sitzungen wie notwendig anleiten, Ihnen Hilfestellung und Unterstützung geben.
In der Familienberatung werden wir gemeinsam Ideen entwickeln, wie Sie im Alltag mit Ihrem Erziehungsverhalten die im Halten eingeleiteten Veränderungen unterstützen können.

Eine gute Beziehung und Bindung ist das beste Heilmittel.